Wie bitte?: «Hundehalsband von Gucci»

Bilanz (Schweiz)

Bei den Modeschauen in Mailand und Paris waren viele Farben und Schnitte im Militärlook zu sehen. Ist das ein Einfluss des drohenden Krieges?

Peter Littmann: Der Militärlook kommt in der Mode immer wieder vor. Schon Yves Saint Laurent hat mit diesem Thema gespielt. Alle grossen Modeschöpfer haben sich damit beschäftigt.

Welche Einflüsse hat denn die politische Situation auf die Trends der Modebranche?

Früher sagte man: Je schlechter die wirtschaftliche Lage ist, desto länger sind die Röcke. Das glaube ich aber nicht. Die Mode ist einerseits permanent gezwungen, nach neuen kreativen Ansätzen zu suchen. Andererseits ist das nicht leicht. Es kommt daher immer wieder zu Wiederholungen oder Neuinterpretationen von alten Themen. Natürlich sind die Modeschöpfer beeinflusst von aktuellen Strömungen – die politische Situation spielt dabei aber keine entscheidende Rolle.

Wie ändern sich die Marketingstrategien der Modebranche in unsicheren Zeiten?

In dieser unsicheren Situation weiss man nicht, was morgen passiert. Die Probleme sind so komplex, dass viele Menschen nicht wissen, auf welcher Seite sie stehen. Das führt einerseits dazu, dass man mehr Emotionalität in der Mode sucht, weil das ein gewisser Ausgleich ist. Auf der anderen Seite gibt es einen interessanten Trend: Die Kunden kaufen nicht mehr blind teure Markennamen, ohne auf Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis zu achten. Das hat nicht nur mit einer Veränderung der Werte, sondern auch mit der politischen Lage zu tun. Die Käufer haben eine intelligentere Beziehung zur Mode bekommen: Es ist durchaus in Ordnung, auch billig einzukaufen.

Für die grossen Namen wird es dann besonders schwierig?

Ja. Für die Grossen wird die Luft immer dünner, weil viele von ihnen Fehler gemacht haben. Erstens hat die Kreativität nachgelassen. Leider sind die Produkte der grossen Modefirmen sehr austauschbar. Zudem sind die grossen Modefirmen überdistribuiert. Sie sind in jeder Fussgängerzone der Welt zu finden. Der dritte Fehler ist die masslose Ausweitung der Produktprogramme über Lizenzierung. Sie kriegen von Gucci mittlerweile sogar ein Hundehalsband.

Wie bitte?

Das ist kein Witz. Vom Aschenbecher bis zu Unterhose bieten Marken wie DKNY oder Calvin Klein alles an. Das führt zu einer Verwässerung der Marke und einem Verlust der Aura.

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