Vom Tiger zum Bettvorleger

Von Peter Littmann

Über Factory-Outlet-Center lässt sich trefflich streiten. Und doch, dabei sein oder nicht, das ist für die Modehersteller nicht mehr die eigentliche Frage. Viele wollen eher wissen: "Wie, wo, wann und wer ist sonst noch dabei?"

Denn einerseits sind Fabrikverkäufe im großen Stil nicht toll fürs Image. Andererseits dienen sie als Abfluss für Überschussproduktionen, fehlerhafte Ware und die Ladenhüter der vergangenen Saison. Und sie sind - professionell betrieben - ein Segen für die Rendite.

Mit Abschlägen von 30 bis 70 Prozent leeren sich so die Lager von Textilien, die sonst in irgendwelchen grauen Kanälen verschwänden. Im selber betriebenen Shop können die Markenartikler den Vertrieb der B-Ware selbst kontrollieren: Preise gestalten, Ware sortieren, alt und neu mischen, nachbestellen. Und vor allem die Handelsmarge sparen. Der Charme der Outlet-Center - wo sich im Gegensatz zum Fabrikverkauf mehrere Anbieter in einer Art dörflicher Gemeinschaft zusammenfinden - liegt dabei im "Ecco fan tutti": Wenn alle ihre Ware verramschen, kann das ja so schlimm nicht sein.

Der Einzelhandel sieht das ganz anders. Als die Idee vor rund zehn Jahren aus den USA nach Deutschland kam, galten Outlets als das Tor zur Hölle. "Die Citys werden veröden, weil der Fachhandel dort schließen muss", prognostizierten die Händler und drohten ihren Lieferanten mit dem Fingerchen: "Wenn ihr die Center bespielt, fliegt ihr bei uns aus den Regalen!" Die Argumente waren bekannt - aus der Zeit, als die ersten Fabrikverkäufe auftauchten und der Handel laut über einen Boykott nachdachte.

Eine Dekade später lässt sich feststellen, dass der springende Tiger als Bettvorleger landete. Seinerzeit wollte jeder, der schon mal für einen Discounter eine Halle hochgezogen hatte, ein Outlet-Center bauen. Von 50 bis 60 Projekten war die Rede. Wirklich realisiert wurden drei: im pfälzischen Zweibrücken, in Wertheim am Main und in Wustermark bei Berlin.

Daneben gibt es noch ein paar Cluster, die sich um größere Factory-Outlets gebildet haben. Beispielsweise das um den berühmten Boss-Fabrikverkauf in Metzingen, das schwäbische Dorf, das sich stolz "Schnäppchenstadt" nennt.

Während man sich hier in Deutschland noch mit "Geiz ist geil" brüstet, machen in Amerika die ersten Outlets schon wieder dicht. Dort waren die großen Center mit Überhängen und Retouren nicht mehr zu füllen. Einige Markenhersteller begannen deswegen, eigens für den Fabrikverkauf produzierte Ware zu vermarkten. Damit die Kalkulation stimmte, war die Markenware nicht nur billig, sondern auch von zweifelhafter Qualität. Die Kunden fühlten sich zu Recht über den Tisch gezogen und blieben weg.

In Deutschland ist die Jagd auf billige Markenware noch lange nicht vorbei. Allerdings tobt der gnadenlose Preiskampf längst auch in den Innenstädten. Niemand muss mehr stundenlang aufs platte Land pilgern, um das Objekt seiner Begehrlichkeit günstig zu erlangen. Das gute Stück findet sich mittlerweile irgendwann auch im innerstädtischen Facheinzelhandel deutlich reduziert. Und wenn nicht da - im Internet gibt es inzwischen so ziemlich alles, auch Designerware zu Ramschpreisen. Genau die führen übrigens dazu, dass sich immer mehr Markenhersteller beim Thema Outlet-Center inzwischen diskret zurückhalten: Wenn sich die Preisspirale immer schneller nach unten dreht, leidet die Marke nämlich irgendwann doch. Gucci beispielsweise findet sich in keinem Schnäppchendorf.

Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung in Ludwigsburg, die im Auftrag der Bundesregierung den Boom der Factory-Outlet-Center analysierte, kommt jedenfalls zu dem Schluss: Fabrikverkauf bleibt eine Nische. Vom Umsatz der gesamten deutschen Textilindustrie, rund 14 Milliarden Euro, bekommen die Outlets höchstens ein Prozent ab.

Sie sind also nicht schuld, dass der deutsche Einzelhandel leidet. Eher schon die Modemuffeligkeit der Deutschen: Ein Durchschnittsmann gibt hier zu Lande 450 Euro im Jahr für sein Outfit aus, eine Durchschnittsfrau 750 Euro. Um die zum Big Spender umzuerziehen, muss man sich schon mehr einfallen lassen als Preiskämpfe und wütende Ausfälle gegen die Fabrikverkäufe.

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