Familienurlaub mit dem iPapa

Von Peter Littmann

Meine Gespielin war mit in Familienurlaub. Sie ist schlank, hübsch, gut verdrahtet und reagiert auf jeden Fingerzeig - was sie offenbar zur angsteinflößenden Konkurrenz für die Frau an meiner Seite macht.


Nun, "sie" ist nur teilweise richtig, denn die Gespielin versammelt auch alle guten Eigenschaften meiner männlichen Freunde in sich: hält auf Anweisung den Mund, versteht was von Sport, weist mir beim Autofahren den Weg, ohne mich anzuschnauzen, kennt die Börsenkurse und säuft mein Bier nicht weg. "Noch nicht", sagt die Frau an meiner Seite, "aber dieses Feature hat Apple sicher schon in Arbeit!"

Die Lady ist eifersüchtig auf mein neues iPhone 3G und daher nicht ganz zurechnungsfähig.

Dabei habe ich im Restaurant doch bloß mit dem Kellner die iPhone-Schönheit diskutiert. Nachdem ich mir beim Rasieren die E-Mails runtergeladen und beim Frühstück online die Zeitung gelesen hatte, schlug Madame vor, ich solle das Ding doch gleich mit unter die Dusche nehmen. Alle Argumente, dass uns das schöne Gerät mit allen Infos versorgt, wenn wir einen neuen Ort besuchen, Landkarten auf den Bildschirm zaubert, Telefonnummern herausfindet, Rat geben und überdies herrliche Urlaubsfotos machen kann, ließen die Zerstörungslust nicht aus ihren Augen verschwinden. Als ich dann den Fehler machte zu bemerken, perfekt gestaltete Produkte seien nicht nur herzerwärmend, sondern auch wichtig, weil sie unsere Kinder gegen die sich überall verbreitende Neigung zum Kitsch immunisieren, beschloss sie, mein iPhone zu ignorieren.

Das US-Magazin "Time" nannte das musikfähige Smartphone die Erfindung des Jahres 2007. Vermutlich war der zuständige Redakteur Single, denn die Auswirkungen der neuesten Apple-Erfindung auf das Liebesleben seiner Benutzer hat er nicht bedacht. Wäre interessant zu wissen, wie viele der über eine Million Amerikaner, die sich vor einem Jahr in den ersten drei Monaten nach Erscheinen ein voll medienfähiges iPhone zugelegt haben, noch mit ihren Partnern zusammen sind?

Ich jedenfalls ließ mich um des lieben Friedens willen darauf ein, mein Notebook zu Hause zu lassen. Das iPhone jedoch musste mit.

Schließlich ist es unverantwortlich, die Familie in die Wildnis zu schleppen ohne ein Mobiltelefon im Gepäck. "Wildnis?" jauchzte da die Frau an meiner Seite, "im Fünfsternehotel? Ist ja zauberhaft!" Zum Dank für meine Fürsorge las sie dann im Auto so lange aus dem auf Papier gedruckten Führer vor, bis Tochter Nummer eins quengelnd nach dem iPhone verlangte, weil sie auf dem lieber einen Kinderfilm gucken wollte.

Tochter Nummer zwei nennt neuerdings sowieso alles, was sie klasse findet "i", seither gibt es bei uns iTeddy und iPizza.

Am Ende habe ich mich darauf eingelassen, das Telefon einen Tag lang im Hotel zu lassen. Die Frau an meiner Seite freute sich, ohne Gespielin zu sein, und betonte, wie nett es doch sei, mal zur Abwechslung die Einheimischen nach dem Weg zu fragen. Im Ergebnis verstand sie den Akzent nicht recht, und so kurvten wir dann fast eine Stunde länger herum als notwendig.

Wir gingen gerade an einem Museum vorbei, als Tochter Nummer eins auf eine Gruppe Touristen zeigte: Alle hatten sie entweder ein Mobiltelefon am Ohr oder eine Digitalkamera vor dem Gesicht. "Guck mal!" sagte das Kind. "Keiner hat ein so tolles Ding wie wir!" Seitdem bin ich iPapa.

Was das alles mit Markenführung zu tun hat? Hier könnte jetzt eine Epistel über das Marketing von Apple stehen, über den geschickten Spannungsaufbau vor der Einführung und die anfängliche künstliche Verknappung des Produkts, dann über den Angriff auf den Massenmarkt via Preissenkungen ...

Wohl wahr, das war alles mit von Apple gewohnter Sorgfalt orchestriert. Der Punkt ist jedoch ein anderer: Wann haben meine Kids und die Frau an meiner Seite je so viel über ein Produkt gesprochen wie über das iPhone? Nicht mal ein vielfach teureres neues Auto hat so viel Aufmerksamkeit von uns bekommen. Soll heißen: Ein wirklich spannendes, innovatives Produkt in gutem Design bestimmt selbst die Spielregeln auch in einer überbesetzten Branche.

Wer vorn das mutige Hirnschmalz in die Entwicklung steckt, braucht eben hinten beim Marketing weniger nachzudenken. Grübeln muss stattdessen der Kunde über die Frage, wie er seine eifersüchtigen Lieben beruhigt kriegt. Ich hab der Frau an meiner Seite einfach auch so ein Ding geschenkt. Seither bin ich iPeter.

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