Fliegende Klassengesellschaft

Von Peter Littmann

Pan Am, die Fluggesellschaft, in deren Umfeld einst der Ausdruck "Jetset" erfunden wurde, ist schon lange Konkurs. Seither sind die Zeiten vorbei, in denen ein Sitz in der Ersten Klasse eine Verheißung war: Es gab Champagnerbars und Promenaden auf dem Oberdeck, und wer sich das Ticket leisten konnte, zog zum Fliegen einen feinen Anzug an. Doch dann demokratisierte sich die Fernreise, und die praktischen Autofahrerhosen aus Kammgarngewebe hielten Einzug. In den vergangenen zehn Jahren wurde die Nobelloge bei den meisten Gesellschaften dann mangels Nachfrage abgeschafft, schließlich fanden auch die besseren Stände, "Business" sei gut genug.


Der Niedergang der Ersten wurde von den Airlines mit verschuldet: Die dahinterliegende Kabine für Geschäftsreisende wurde mit besseren Schlafsitzen, individuellen Entertainment-Angeboten und an Bord zubereiteten Speisen so aufgerüstet, dass kaum noch einer einsah, wieso er für die Erste weiteren Aufpreis zahlen sollte. So wurden aus der alten "First" neue Klassen mit märchenhaften Namen wie "BusinessFirst" und "Business-Elite". Und selbst für die wollten viele nicht mehr bezahlen.

Doch inzwischen gilt: Die First ist tot, es lebe die First! Mit deutlichen Wachstumsraten erlebt sie gerade ihre Wiedergeburt. Bei Singapore Airlines beispielsweise gibt es jetzt im neuen Airbus 380 auf den Strecken Singapore - London und Singapore - Sydney die "Class beyond first". Sie steht für eine private Kabine in der Kabine mit einem richtigen Bett und von Givenchy gestalteter Bettwäsche, dazu Plasmagroßbildschirm und Speisen à la carte.

Auch der deutsche Kranich versucht erneut, an den alten Spruch von der "Lusthansa" heranzukommen und bietet in der Ersten schon im Vorfeld einen Hon-Limousinen-Service. Gäste werden unter Umgehung der banalen Gate-Einsteig-Zeremonie direkt aus der luxuriösen Lounge mit einem Mercedes S-Klasse oder einem Porsche Cayenne zum Flieger gebracht. Dort warten dann hochvirtuose Recaro-Sitze mit über zwei Metern Abstand zum Nachbarn. Mit den Vinothek Discoveries, ausgewählt von Sommelier Markus del Monego, lässt sich dann luftig der Businesstrip zum Erlebnis schöntrinken. Billig ist das allerdings nicht.

Hat nur der Drang nach Höherem die Menschen erneut erfasst, oder warum kommt trotz steigender Preise das kleine Quäntchen Mehr wieder in Mode? Offenbar ist die Sehnsucht nach der alten Romantik des Reisens im Aufwind, und wer sich die leisten kann, greift zum Premiumangebot. Ist es also sinnvoll, auf den Jetset zu setzen? Vordergründig sieht's so aus: Bei der Lufthansa sorgen inzwischen 20 Prozent Premiumpassagiere für rund die Hälfte des Umsatzes.

Doch der Run auf die First Class ist nur ein Teil der Story. Für die Mehrheit der Konsumenten bedeutet Fliegen derzeit vor allem: endlose Verspätungen, gestrichene Flüge ohne Erklärung, widerliches Sicherheits- und genervtes Flugpersonal, Beinahezusammenstöße auf dem Runway, und dass die Zahl der verlorenen Gepäckstücke ähnlich explosionsartig steigt wie die Höhe der Benzinpreiszulage. Wenn allzu viele Leute eine Flugreise in der Sardinenklasse auch bei den bislang honorigen Anbietern als Zumutung erleben, leiden die Marken.

Wohl wahr, eine Minderheit der Konsumenten kann in die gehobenen Klassen und Airport-Lounges ausweichen. Wer jedoch sparen will oder muss, beschließt: Wenn ich schon so ein Stoß-mich-zieh-dich ertragen muss, kann ich genauso gut gleich den Zug oder eine Billiglinie nehmen. So manch einem mittelprächtigen Angebot könnte es ergehen wie einst Pam Am: Außer schönen Worten wie Jetset wird nicht viel übrig bleiben.

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