Produkte für die Viagra-Generation

Von Peter Littmann

Verblüffung ist ein seltenes Gefühl geworden in diesen ab- und aufgeklärten Zeiten. Doch neulich im Café war sie mit Händen zu greifen. Da saß am Nebentisch eine betagte Dame im grauen Kostüm mit Hut und Handschuhen, Kännchen Kaffee und Torte. Sie stammte so offensichtlich aus einer anderen Zeit, dass es kaum verwundert hätte, wenn sie zu Feder und Tinte gegriffen hätte. 

Doch plötzlich klingelt es, sie nestelt an ihrer Handtasche, holt ein Handy heraus und beginnt eine lebhafte Konversation – und alle anderen im Raum starren. Auf das Gerät angesprochen, zeigt sie mir stolz ihr TalkPremium von Emporia. „Die Tasten sind groß genug für mich“, erläutert sie ihr schwarzes Handy und lächelt fein, „dumm ist nur, dass es keine Notruffunktion hat. In meinem Alter fängt man an, über so was nachzudenken.“
Sie ist nicht die einzige, die ins Grübeln kommt. Dass Hersteller am Geldbeutel der Dame interessiert sind, verwundert nicht. Sie bekommt schließlich krisenunabhängig ihre Rente, hat vermutlich nach einem arbeitsreichen Leben Privatvermögen und gehört überdies zu einer Generation, die verlässlich ihre Rechnungen bezahlt. Außerdem werden die alten Ladies immer mehr: Derzeit sind rund acht Prozent der Weltbevölkerung über 65, rund 550 Millionen Menschen. In 40 Jahren wird jeder zehnte so alt sein – also insgesamt 1,4 Milliarden Personen. Diese Zielgruppe zu attackieren, ist nicht die dümmste Idee.
Doch es ist noch nicht lange her, da floppten speziell für Senioren gestaltete Angebote. Sony beispielsweise versuchte einst, einen Radiowecker mit großen Knöpfen und simpler Bedienung an die Pensionäre bringen. Damals kommentierte ein älterer Freund das Ding: „Ich will kein grauer Panther sein – schon gar nicht morgens im Bett. Da will ich mich lieber fühlen wie junger Tiger!“ Mit der Ansicht war er in guter Gesellschaft, denn das Ding war nicht gerade ein Verkaufserfolg. Merke: Alt ist immer nur, wer zehn Jahre früher geboren ist als man selber.
Irgendwas ist seit dem Weckruf an Sony passiert. Sind die Pensionäre plötzlich weniger jugendbewegt? Oder die Geräte intelligenter und weniger offensichtlich geriatrisch motiviert? Oder ist einfach nur das Marketing für „Benutzerfreundlichkeit“ besser?
Die Menschen bleiben wie sie sind, aber die Unternehmen werden schlauer. Beispielsweise die schwedische Firma Doro, die Hörgerätfähige Mobiltelefone mit Notruffunktion baut. Der Slogan dazu lautet „Handys für jedermann“ und die Philosophie dahinter „ein Handy muss einfach genug bedienbar sein, dass es jeder benutzen kann und trotzdem soll es ansprechend aussehen.” Von alt und krank ist in den Broschüren nirgends die Rede, nur von „funktioniert leicht und sieht bestens aus“.
Auch Nintendo bewirbt die Spielkonsole Wii nicht für Leute mit Kreuzschmerzen und anderen Zipperlein, trotzdem ist das Ding der Hit in amerikanischen Seniorenheimen, die damit tagsüber ein leichtes Sportprogramm offerieren und abends Bowling-Parties. HP verkauft „photosmarte“ Drucker, die einfach über einem Touchscreen zu bedienen sind. Es gibt kaum Knöpfe, aber dafür ein großes Display. Kunden brauchen keinen Computer, sondern drucken direkt von der Speicherkarte der Kamera. Im Benutzerhandbuch steht nichts von „auch für Oma und Opa geeignet“, sondern nur „einfacher Druck von Fotos“.
Das leuchtet ein und daher „wollen zur Zeit alle Hersteller wissen, wie sie ihre Produkte Seniorenfreundlich gestalten können“, heißt es bei Ingema. Das Institut in Nordspanien beschäftigt sich mit technischen Hilfen für Alte und Kranke. Die Ingema-Experten beraten nicht nur EU, IBM und mehrere Elektronikhersteller, sondern kooperieren auch mit den Software-Experten von txt e-solutions in Projekten, in denen es um „Active Aging“ geht. Wobei der Schwerpunkt auf aktiver Gestaltung des täglichen Lebens in Unabhängigkeit liegt und nicht auf Aging.
Damit sind wir wieder bei der Verblüffung. Die Dame im Café telefonierte offenbar mit ihrem Liebsten und flirtete wie ein Teenager. Wir sind im Zeitalter von Viagra und laut einer amerikanischen Untersuchung hatten in einer Gruppe mit Durchschnittsalter von 86 Jahren noch 64 Prozent der Frauen und 82 Prozent der Männer sexuelle Kontakte. Solche Leute wollen keine „Seniorenprodukte“, die wollen „sieht klasse aus, geht einfach und funktioniert zuverlässig!“

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