Die Hymne der Selbermacher

Von Peter Littmann

Selbstgestricktes ist schwer angesagt, in jeder Hinsicht. Es gibt inzwischen nicht nur einen Weltstricktag und unglaubliche Blogs über die Nadel-Manufaktur auf dem heimischen Sofa, siehe knittinganarchist.de oder arlenes-lace.de, sondern auch Bücher- und Zeitschriften: Von „Stricken a la Carte“ bis zu „Socken aus aller Welt“. Sogar Madonna soll inzwischen an den Nadeln hängen. 

Bei dawanda.com kann der zwar theoretisch an Handarbeit interessierte, aber praktisch faule Konsument nicht nur fertige Topflappen Marke Eigenbau erwerben, sondern auch wärmende Hüllen für Mensch, Tier und Kaffeekanne. Selbermachen ist das Thema der Stunde: Jubelnd freut sich das Land auf „selbst gemachte Weihnachten“ mit Backrezepten und Bastelanleitungen.
Heimeligkeit wohin das Auge fällt: Die Gazette „LandLust” verkauft sich mit Anleitungen zu Laubsäge gearbeiteten Krippen-Figuren und einem haltbaren und daher als Geschenk versandfähigen Schokokuchen: Der Verlag meldet ein Plus von 65 Prozent. In München entsteht mit „Cut“ ein heiß begehrtes Schnittmustermagazin der neuen Generation, das die „Süddeutsche“ wohlwollend als „Do it yourself zum Lesen“ bezeichnet. Die Volkshochschulen sind wieder angesagt, neuerdings wird landauf, landab gebastelt, geschreinert, gehäkelt, getöpfert und kranzgebunden, als habe die industrielle Revolution nie stattgefunden.
Nun gut, Marke Eigenbau gab es immer schon, aber meist war das Gehämmere schlechten Ehen geschuldet: Erachteten es doch viele Männer als einfacher, an der Werkbank mit der Säge oder im Gartenbeet mit den Schnecken in den Clinch zu treten, als mit der eigenen Gattin. Neu ist eigentlich nur, dass das Selbermachen jetzt gerne mal weltanschaulich aufgeladen wird, in der Regel faselt einer von „authentischen Produkten“, „Absage an Konsumdruck“ und der „Würde des Produzenten“ - als gäbe es aus Serienfertigung nur Qualitätsprobleme und als sei eine Tiefkühlpizza schon der Fahrschein zur Hölle.
Woher kommt diese philosophische Überhöhung des Gebastelten? Die erste Antwort ist meist: Die Krise und der von ihr ausgelöste Wunsch zum Geldsparen wirft viele Menschen zurück auf die eigenen Fähigkeiten. Und weil keiner gerne zugibt, dass gerade Ebbe in der Kasse herrscht, wird das eigenhändig geflieste Bad zum Hort der Tugend aufgeblasen. Diese Ausführungen klingen einleuchtend, springen aber doch meist zu kurz. Kochen zum Beispiel ist schon länger schwer angesagt und wird beispielsweise von vielen Männerrunden betrieben wie ein Ritual, für das nichts zu teuer ist. Schon gar nicht der Bordeaux, der dabei in Strömen fließt.
Vermutlich geht es den Leuten weniger ums Geld oder eine ideologisch verbrämte Absage an die Massenproduktion, sondern ganz einfach um Individualität, Spaß und Stolz. Immer mehr Menschen arbeiten in abstrakten Jobs, bei denen alles auf einem Bildschirm stattfindet und freuen sich nach Feierabend an praktischen Herausforderungen. Hammer, Nagel, Brett – wie nett! Auch ist es einfach ein gutes Gefühl, einen selbstgebackenen Kuchen aus dem Ofen zu ziehen. Mal eben beim Bäcker vorbeizufahren, um eine Torte zu kaufen, kommt da nicht mit. Inzwischen zieht sogar Michelle Obama im selbst gebuddelten Gartenbeet hinterm Weißen Haus Gemüse und ein Mangel an Mitteln ist wohl kaum der Grund.
Die Baumaktkette Hornbach greift den Späßchenfaktor des Selbermachens schon länger auf mit dem anspruchsvollen Jingle: „Jippie-ja-ja-jippie-jippie-jey!“ Zum Krisengewinnler jedoch wird das Unternehmen mit einer Kampagne wie aus Bauholz gezimmert: Schön sperrig und deswegen einprägsam. Hintergründige Knüttelverse wie „Die knarrenden Treppen. Die verlorenen Wetten. Die fehlenden Mittel. Die gewonnenen Titel. Die Bank. Der Bankrott. Der See. Das Klischee“ enden in dem Slogan „Mach es zu deinem Projekt“. Der intellektuelle Anspruch der Aktion kommt dabei quasi undercover rüber; diejenigen, die ihn nicht mitkriegen, stören sich nicht dran, die anderen freuen sich über Sätze wie „Was man müsste. Was man sollte. Was man könnte.“ Die Verse stammen von Matthias Strohrath, Texter der Agentur Heimat in Berlin.
Uns sie funktionieren: Hornbach vermeldet Umsatzsteigerungen in einem Jahr, in dem fast die gesamte deutsche Wirtschaft kräftig einbricht. Ist das nun der viel zitierte Aufstand der Menschen gegen die Massenproduktion? Oder haben bloß die frisch verarmten Krisenverlierer ein paar Schräubchen locker? Nö, es gibt einfach immer was zu tun in Haus und Garten - und im Baumarkt nach Anregungen zu wühlen und dann selber herum zu probieren macht einfach mehr Spaß, als den Handwerker anzurufen.

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