Spinne im Netz oder jedermanns Liebling

Von Peter Littmann

Alle reden über Google. In die Bewunderung mischt sich dabei Furcht, weil die Spinne das Netz immer mehr ins Zentrum allen Seins rückt. Kulturkritiker sehen in dem Konzern schon eine Mischung aus Inquisition und Ridley Scotts „Alien“ - weil Google sich ins Hirn seiner Nutzer schleuse und die Hoheit über ihre Dateien anstrebe. Die kann der Konzern dann löschen, kopieren oder weiter verkaufen. Privat war gestern, heute ist Google.

Dieses Portrait ist sicher übertrieben, zeigt aber dennoch so ein ekliges Gesicht, dass der Marketingmensch den weiteren Erfolg des Unternehmens hinterfragen muss, auch wenn sich Google immer wieder gut in Szene setzt. Zuletzt mit der Androhung des Rückzugs aus China aus „moralischen Gründen“. Das ist erstens wohlfeil, weil der Marktanteil in China ohnehin nicht über die 30 Prozent hinaus kam (Lokalmatador ist Baido mit über 60 Prozent), und zweitens clever, denn so ist Google nach all der Kritik wieder unter den Gutmenschen, die vermeintlich für Meinungsfreiheit streiten.
Bleibt zu hoffen, dass dem Markt bald eine Alternative zu den Heuchlern einfällt. Charmanter und daher als Vorbild auch geeigneter ist Amazon und seine Vision vom „totalen Einkaufserlebnis“. Das Angebot ist oft das günstigste, die Zustellung zuverlässig. Kunden können Preise vergleichen und die Produkt-Bewertungen anderer lesen. Die Datenbank speichert alles, was der Mensch erworben oder auch nur inspiziert hat und macht Vorschläge, was den Verbraucher vielleicht noch interessieren könnte. Per Mausklick gibt es inzwischen quasi alles, auch Schuhe und Klamotten. Letzteres wird gerade ausgebaut: Nach dem Einstieg in die Outdoor-Ausrüstung verbreitert Amazon nun mit der Übernahme des erfolgreichen US-Online-Schuhhändlers Zappos.com den Zugang in den milliardenschweren Markt der Mode.
Die erfolgreiche Zappos-Marke bleibt erhalten, doch der Umsatz wird künftig durchs Amazon-Distributionsnetz geleitet. Je besser dieses ausgelastet ist, desto mehr Spielraum hat der virtuelle Laden: Er kann entweder die Gewinnmargen steigern oder als jedermanns Liebling die Preise weiter reduzieren und die Vorherrschaft im Internet-Einzelhandel so weiter ausbauen. Den größten Coup allerdings landete Amazon im abgelaufenen Weihnachtsgeschäft: Der Händler machte mit dem hauseigenen elektronischen Lesegerät Kindle seine Handelsware zum best verkauften Geschenk der Saison. Ergebnis war ein Umsatz-Plus von 28 Prozent auf 5,5 Mrd. Dollar.
Auch Amazon weiß, was seine Kunden lesen oder welche Filme sie sehen und der Onlinehändler ist keineswegs immer so nett, wie sein Gründer Jeffrey Bezos auf den Pressefotos lächelt: Amazon soll eigenmächtig elektronische Bücher aus den Kindle-Systemen der Kunden gelöscht haben, darunter ironischerweise auch Georg Orwells Roman „1984“ über das Eindringen eines allmächtigen Systems ins private Leben. Auch kommen die Verleger ins Grübeln, seitdem der virtuelle Buchhändler einen Alleinvertretungsvertrag mit dem US-Bestsellerautor Stephen Corvey schloss und nun die E-Ausgaben seiner Bücher exklusiv vertreibt. Macht das Schule, könnte das die Verlage aus dem wachsenden Geschäft mit digitalisierten Büchern drängen.
Dennoch vermittelt Amazon den Leuten das Gefühl, für den Kunden da zu sein, während dessen bei Google einen allmählich das Gefühl beschleicht, die Sache verhalte sich genau umgekehrt. Intelligenter ist der Auftritt von Amazon – und das wird sich auf die Dauer auch auszahlen. In einer Zeit, in der die größten Marken der Welt zum ersten Mal schrumpfen – die 100 teuersten Brands der Welt haben laut Interbrand im vergangenen Jahr zusammen über 55 Mrd. Dollar an Wert verloren – legte Google um 25 und Amazon um 22 Prozent zu.
Wer sind an den ersten Internethype in 2001 erinnert, mag noch die vielen Berichte über Amazon im Kopf haben und die darin stehende Frage, ob der Laden seiner hohen Marktbewertung wohl gerecht werden könne? Die Blase platzte, Bezos & Co verschwanden eine Zeitlang vom Radarschirm und machten sich nach dem Sturm systematisch daran, ihren Marktwert tatsächlich zu verdienen. Dass nun alle von Google reden, wird bei Amazon in Seattle sicher gerne gesehen, denn die Erkenntnis, dass es manchmal gesünder ist, denn Image-Ball ein wenig flacher zu halten, steht Google erst noch bevor.

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